Ukrainer lehnen 41 australische F-18-Hornet-Kampfflugzeuge mit der Begründung „Wir wollen Ihren fliegenden Müll nicht“ ab

Quelle: Service Depicted: Navy, Public domain, via Wikimedia Commons

CANBERRA – Die kleine ukrainische Raupe Nimmersatt ist offenbar nicht nur in Europa unterwegs, sondern auch in Australien, denn von dort wird nun berichtet, dass Selenskis Beamte keine Lust auf aktuell ausgemusterte Flugzeuge haben, sondern sie wollen das modernste und beste Gerät!

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Letztes Jahr, als ukrainische Kampfpiloten verzweifelt versuchten, dem Abschuss durch russische Flugzeuge mit Langstreckenradaren zu entgehen, sagte ein hochrangiger Beamter der ukrainischen Luftwaffe in Kiew gegenüber Vertretern Australiens, er sei nicht an einer Übergabe von 41 ausgemusterten F/A-Hornet Kampfflugzeugen interessiert, denn

„Wir wollen Ihren fliegenden Müll nicht“,

wird der Beamte der ukrainischen Luftwaffe durch eine der anwesenden Personen zitiert.

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Australien hat der Ukraine 41 Kampfflugzeuge angeboten und die Ukraine hat dies zurückgewiesen?

Tatsache ist, daß die Luftwaffe der Ukraine, bzw. das, was derzeit von ihr übrig ist, größtenteils aus Sowjetmaterial besteht. Vor diesem Hintergrund wirkt es merkwürdig, wenn die Ukraine  Flugzeuge ablehnt, die aus der selben Zeit stammen, indem sie diese als „fliegenden Müll“ bezeichnen.

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Die F-18-Hornet der australischen Streitkräfte

Die Royal Australian Air Force kaufte insgesamt 57 F/A-18A-Jäger und 18 zweisitzige F/A-18B-Trainer als Ersatz für ihre Dassault Mirage IIIOs. Australien traf diese Wahl für die F/A-18 im Oktober 1981. Die ersten beiden Flugzeuge wurden in den USA hergestellt, der Rest wurde in Australien in staatlichen Flugzeugfabriken montiert. Die Auslieferung der F/A-18 an die RAAF begann dann am 29. Oktober 1984 und dauerte bis Mai 1990. Im Jahr 2001 entsandte Australien bei Koalitionsoperationen gegen die Taliban in Afghanistan vier Flugzeuge für Diego Garcia als Luftverteidigungsflugzeug. Im Jahr 2003 entsandte die 75. Staffel im Rahmen der Operation Falconer außerdem 14 F/A-18 nach Katar. Diese Flugzeuge kamen während der Invasion im Irak zum Einsatz. Im März 2015 wurden sechs F/A-18As des Geschwaders Nr. 75 im Rahmen der Operation Okra in den Nahen Osten entsandt und ersetzten eine Abteilung der Super Hornets.

Die Flotte wurde ab Ende der 1990er Jahre modernisiert, um ihre Lebensdauer bis 2015 zu verlängern. Es wurde erwartet, dass sie dann ausgemustert und durch die F-35 Lightning II ersetzt würden. Anschließend wurden mehrere der Australian Hornets umgerüstet, um ihre Lebensdauer bis zum neuen geplanten Ruhestandstermin im Jahr 2020 zu verlängern. Australien hat außerdem 24 F/A-18F Super Hornets gekauft, die Auslieferung beginnt im Jahr 2010.[62]

Australien hatte 2006 71 Hornets im Einsatz, nachdem vier durch Unfälle verloren gingen. Australien hat dann 25 F/A-18A/B an Kanada verkauft, wobei die ersten beiden im Februar 2019 an RCAF geliefert wurden. Bis 2021 wurden 12 (A)F/A-18A und 6 (A)F/A-18B (und weitere 7 zerlegte (A)F/A-18 für Ersatzteile) an die RCAF verkauft.

Bei Wings Over Illawarra 2021 führte die Hornet ihre letzte öffentliche Flugvorführung vor ihrer Außerdienststellung durch. Australien hat die Hornet am 29. November 2021 auf der RAAF-Basis Williamtown offiziell ausgemustert. Am 30. November 2021 flog die No. 75 Squadron RAAF sieben der letzten Hornets von der RAAF-Basis Tindal zur RAAF-Basis Williamtown. Am 3. Dezember 2021 verließ die letzte Hornet den RAAF-Stützpunkt Tindal zur Stilllegung. Aufgrund des schlechten Wetters wurde die Hornet zum RAAF-Stützpunkt Townsville umgeleitet und beendete am 4. Dezember 2021 den letzten RAAF-Hornet-Flug zum RAAF-Stützpunkt Williamtown.

Was läge also näher, diese gewartete, und frisch außer Dienst gestellten Flugzeuge der Ukraine zu übergeben?

Das Sowjet-Material der ukrainischen Luftstreitkräfte

Mitte 2019 umfasste die russische Luftwaffe über 1.800 Flugzeuge. Darunter sind etwa 70 strategische Bomber Tu-160 und Tu-95; über 40 Langstreckenbomber vom Typ Tu-22M3; mehr als 200 Su-25-Kampfflugzeuge; etwa 200 Kampfflugzeuge Su-34, Su-24M sowie deren verschiedene Modifikationen; mehr als 800 Jäger Su-27, Su-30, Su-33, Su-35, MiG-29, MiG-31 und eine Reihe ihrer Modifikationen; etwa 400 Militärtransportflugzeuge und Il-78-Betankungsflugzeuge, etwa 20 AK DRO A-50 und A-50U; die Zahl der Yak-130 und anderer Trainingsflugzeuge betrug etwa 130 Einheiten. Die Zahl der Kampfhubschrauber Mi-8, Mi-24, Mi-35, Mi-26, Mi-28N, Ka-52 in der russischen Luftwaffe erreichte zu diesem Zeitpunkt 1.500.

Nach Angaben russischer Experten vor 2009 hatten 57 Prozent der Flugzeuge und Hubschrauber ihre Sollbetriebszeiten überschritten, wurden nach Bedarf gewartet und ihre Betriebszeiten periodisch verlängert. 55 Prozent der Flugzeuge und Hubschrauber waren seit mehr als 15 Jahren im Dienst, 40 Prozent seit fünf bis zehn Jahren. Berechnungen russischer Spezialisten besagten, dass bis 2009 rund 2300 Flugzeuge und 1300 Hubschrauber ausgesondert werden müssen. Um die Kampfkraft zu erhalten und die gestellten Aufgaben erfüllen zu können, sind in den nächsten 20 Jahren jährliche Zuführungen von etwa 120 modernisierten Flugzeugen und 70 Hubschraubern notwendig; es bedarf einer Zuführung von mindestens 60 neuen Flugzeugen und 50 Hubschraubern.

Dem gegenüber steht die Ukrainische Luftwaffe bescheiden da:

Zu Beginn des Jahres 2022 bestand die Luftwaffe der Ukraine aus 45.000 Mann, sie war mit etwa 124 Kampf- und Kampftrainingsflugzeugen, etwa 63 Transport-, Spezial- und Trainingsflugzeugen, etwa 46 Transport- und Spezialhubschraubern und mehr als 322 Luftverteidigungsflugzeugen. Das Material stammt in erster Linie noch aus der Sowjetzeit.

Seit 2020 verfügt das Land über eine Verteidigungsindustrie, deren Fähigkeiten durch das sowjetische Erbe geprägt und begrenzt sind. Die Ukraine war einer der wichtigsten Lieferanten von Lenkwaffentechnologie für die Sowjetunion. 

Im Mai 2020 veröffentlichte das Luftwaffenkommando der ukrainischen Streitkräfte das Dokument „Vision der Luftstreitkräfte der Streitkräfte der Ukraine 2035“. In dem Dokument wurde der Mehrzweckjäger JAS 39 Gripen als optimalster Ersatz für die bestehende Flotte taktischer Flugzeuge im Hinblick auf Preis und Kampfpotenzial identifiziert . Am 19. August 2023 gab der ukrainische Präsident Wladimir Selenskyj während eines Besuchs in Schweden bekannt, dass ukrainische Piloten mit der Erprobung des JAS-39 Gripen begonnen hätten.

Am 23. Juni 2022 wurde im US-Kongress ein Gesetzentwurf zur Vorbereitung der Ausbildung ukrainischer Piloten und Besatzungsmitglieder in amerikanischen Flugzeugen, darunter F-15-F-16- Jäger und anderen Luftplattformen, eingebracht. Für diesen Bedarf wurden im vom Repräsentantenhaus angenommenen Gesetzentwurf zum US-Verteidigungshaushalt für 2023 100 Millionen US-Dollar bereitgestellt. Im Mai 2023 kündigte eine internationale Koalition bestehend aus den USA, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien und Dänemark Vorbereitungen für den Beginn der Ausbildung ukrainischer Piloten und Wartungspersonals mit anschließender Verlegung von mindestens drei Staffeln von F-16-Mehrzweckjägern in die Ukraine an. Im August 2023 begann die Ausbildung des ukrainischen Militärpersonals.

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Kakophonie in der Führungsspitze der Ukraine

Da mehrere Personen im Namen der Regierung sprachen, darunter

  • Präsident Wolodymyr Selenskyj,
  • seine Berater,
  • Geheimdienstchefs,
  • Diplomaten und
  • Militärchefs,

hat die Ukraine gemischte Signale hinsichtlich ihrer Ziele in Richtung der Regierung Australiens gesendet.

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Ein ukrainischer Beauftragter stößt die Australier vor den Kopf

Obwohl Australien keinen großen diplomatischen Einfluss auf Russland oder die Ukraine hat, liegt es laut dem Lowy Institute, einer außenpolitischen Denkfabrik, bei Militärausgaben, gemessen an der Kaufkraft, an siebter Stelle in Asien.

Premierminister Anthony Albanese erklärt, Australien sei einer der größten Militärgeber für die Ukraine außerhalb der NATO.

Doch die Verteidigungsbeamten scheinen nicht bereit zu sein, im Einsatz befindliche Fahrzeuge, darunter den gepanzerten Jeep Hawkei, abzugeben, und sind ukrainischen Anfragen nach nicht benötigter Ausrüstung, einschließlich der Transporthubschrauber MRH-90 Taipan, die bereits zerlegt wurden, nicht zuvorgekommen als die Ukraine am 19. Dezember darum bat. Im Gegensatz zu vielen anderen Unterstützern weigerte sich Australien auch, seine Botschaft in Kiew wieder zu öffnen, wodurch der direkte Kontakt zwischen den Ländern eingeschränkt wurde.

Angespannte Grundstimmung

In Folge dieser Probleme war das Verhältnis zwischen beiden Ländern angespannt, so ein an Gesprächen zwischen beiden Ländern beteiligter Rüstungskonzern.

„Im Moment ist es ein Müllcontainerbrand“,

plauderte dieser aus dem Nähkästchen.

„Die Ukraine hat ihr Anforderungsschreiben für die Taipans nicht rechtzeitig erhalten. Sie sind nicht gut im Papierkram. Das hat die ganze Sache in die Luft gehen lassen.“

 

Die Hornets als Hilfsangebot

Die Hornets waren dann ein früheres Beispiel für einen gut gemeinten, gescheiterten Hilfsversuch der Australier. Die Idee, dass Australien die Flugzeuge spenden sollte, wurde im März letzten Jahres vorgeschlagen.

Die robusten Fahrwerke der Hornets wurden für Flugzeugträger entwickelt und eigneten sich für die vom Krieg heimgesuchten Start- und Landebahnen der Ukraine. Sie konnten auch über kurze Entfernungen landen und starten, was hilfreich war, wenn Missionen manchmal von Autobahnen aus gestartet wurden.

Zwei Monate später, also im Mai letzten Jahres  wurde bekannt, dass die US-Regierung der Übergabe der Flugzeuge, die 1984 ihren Dienst für die Royal Australian Air Force begannen und 2021 eingestellt wurden, „wohlgesinnt“ sei.

Ein hochrangiger Offizier der ukrainischen Luftwaffe wurde letztes Jahr ermutigt, einen formellen Antrag für die Hornets zu stellen – ein Schritt, der die Labour-Regierung in Verlegenheit gebracht hätte, wenn er abgelehnt worden wäre – doch dieser stellte die 50 Jahre alten Flugzeuge als Müll dar, den Australien entsorgen müsse.

„Er nannte sie ‚fliegenden Müll‘“,

sagte der Auftragnehmer.

„Das hat den F/A-18-Deal im Grunde zunichte gemacht. Hätte er es nicht getan, wären sie jetzt über der Ukraine geflogen.“

Was soll das? Eine mögliche Erklärung wäre, daß die Ukraine die Australier absichtlich brüskierten, denn sie waren bereits in Verhandlungen über modernere F16:

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Der F16-Deal

Die Ukrainer hatten jedoch bereits Gespräche mit den Regierungen der USA und Westeuropas über den Erhalt weniger robuster F-16 Fighting Falcons aufgenommen.

Im August genehmigten die USA den Transfer von F-16 in die Ukraine, anderthalb Jahre nach Kriegsbeginn. Der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Valery Zaluzhnyi, beklagte, dass Russland Zeit gegeben worden sei, seine Luftverteidigung zu stärken, bevor sie mit vom Westen gelieferten Flugzeugen angegriffen werden könne.

Von einem anderen Unternehmen hergestellte, ausgemusterte F-16 gab es in Europa in Hülle und Fülle. Dänemark, Norwegen und die Niederlande waren bereit, einen Teil davon abzugeben. Die Amerikaner, Dänen und Rumänen boten Schulungen an.

Keine F16? dann doch wieder F18!

Die ukrainische Luftwaffe gab bei der Ablehnung der F18 an, von zwei Arten ausländischer Kampfflugzeuge überfordert zu werden, die jeweils ihre eigene Wartungs-, Munitions- und Trainingsinfrastruktur benötigen würden.

Man hatte sich außerdem gegen den Einsatz ausländischer Piloten entschieden, was den mühsamen Prozess der Ausbildung von Ukrainern erforderte, die bisher nur in sowjetischen Cockpits geflogen waren.

Dann, im Dezember, als die Ukraine und ihre Verbündeten Schwierigkeiten hatten, die F-16 in Dienst zu stellen, kam die Kehrtwende von der Kehrtwende. Erneut wurden die  F/A-18 auf eine Waffenwunschliste gesetzt, die aus Kiew an US-Beamte geschickt wurde.

Einem Bericht der Financial Review vom 8. Dezember zufolge wurden die Gespräche zwischen Australien und der Ukraine über die Flugzeuge daraufhin wieder aufgenommen.

Der Verteidigungsminister Australiens, Richard Marles, lehnte es daraufhin ab, sich zu den Flugzeugen zu äußern, aber ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, sie befänden sich in der Endphase der Zerlegung.

Der Verteidigungssprecher der Opposition, Andrew Hastie, lehnte eine Stellungnahme ab. Zuvor hatte er sich dafür ausgesprochen, die Hornets der Ukraine zu überlassen. Mick Ryan, ein pensionierter General, sagte, die Verteidigungskräfte müssten besser darin werden, die Bedürfnisse der Ukraine zu antizipieren.

„Ein Gespräch mit den Ukrainern wäre vielleicht klug gewesen“,

sagte er am Dienstag.

„Ich hoffe, dass das Ministerium und der Minister diese Lektion gelernt haben.“

Fliegende Hornissen

Der ukrainische Botschafter in Australien und Neuseeland, Vasyl Myroshnychenko, hat sich bei der Regierung für mehr Hilfe eingesetzt, achtete jedoch darauf, nicht als kritisch oder undankbar angesehen zu werden.

„Wir sind zutiefst dankbar für das, was die australische Regierung bisher bereitgestellt hat“,

sagte er am Dienstag.

„Wir hoffen, dass Australien weiterhin unterstützen kann.“