Großbritannien-Mutation breitet sich zwar schneller aus, verursacht aber auch weniger schwere Verläufe

Ausbreitung der Großbritnnien-Mutation im Süden Englands Quelle: https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/949639/Technical_Briefing_VOC202012-2_Briefing_2_FINAL.pdf

LONDON – Genau in den Tagen, als die reduzierten Inzdenzien in Bayern eine Rücknahme der Anti-Corona-Maßnahmen schon fast erzwingen, schiebt sich die „Großbritannien-Mutation“ ins Rampenlicht und wird als Begründung angeführt, die Repression und die Einschränkung der Grundrechte der Bürger noch weiter auszubauen. 

 

Inzwischen ist allgemein bekannt, daß sich Viren permanent verändern, also mutieren. Im allgemeinen ist es so, daß Viren ein Interesse daran haben, sich schneller zu verbreiten und kein Interesse dran haben, den Wirt, von dem sie leben, zu töten, da sich hierdurch ja ihre eigene Ausbreitung behindern würden.

Als sich die Bayern angesichts der auf breiter Front rückläufigen Kennwerte bereits auf eine Lockerung der Maßnahmen freuten, wurde von den Regierungen in Bund und Ländern die in Großbritannien gerade um sich greifende Mutation des Covid-19-Virus als Argument aufgebaut, Lockerungen nicht nur zu unterlassen, sondern darüber hinaus auch noch die Maßnahmen für die Bevölkerung zu verschärfen. Diese Verschärfungen wurden mit dem Argument gerechtfertigt, daß diese Mutation – die auch als „B.1.1.7“ bezeichnet wird – ansteckender sei, als frühere Stämme des Coronavirus. Nach Angaben von Firschern und Behörden n England sei die B.1.1.7-Mutation seit November für 60 Prozent der Neuinfektionen in London verantwortlich.

Forscher des Public Health England (PHE) stellen nun aber fest, dass sich die „Großbritannien-Mutation“ zwar in der Tat schneller ausbreitet, auf der anderem Seite aber weniger derart schwere Fälle verursacht, da eine Krankenhausbehandlung notwendig ist,  wodurch sie die Frage stellt, ob der auf der Mutation aufgebaute Alarmismus, mit dessen Hilfe die Grundrechte der Bürger weiter eingeschränkt werden, gerechtfertigt ist.

 

Mutation B.1.1.7 wurde am 20.9.2020 erstmals identifiziert

Die Mutation B.1.1.7 wäre wohl nie gefunden worden, wenn nicht das Gesundheitssystem in Großbritannien Viren einer Genanalyse unterziehen würde. Auf diesem Weg ist es den Forschern in Großbritannien möglich  die Entwicklung des Virus zu erkennen und zu analysieren.  

Die beiden frühesten untersuchten Genome, die zur Linie B.1.1.7 gehören, wurden am 20. September 2020 in Kent und am 21. September 2020 in Greater London identifiziert. Bis Anfang Dezember 2020 wurden weitere B.1.1.7-Infektionen in Großbritannien nachgewiesen. Am 15. Dezember wurden bereits 1623 Genome der B.1.1.7-Linie identifiziert. Davon wurden 519 in Greater London, 555 in Kent, 545 in anderen Regionen des Vereinigten Königreichs, einschließlich Schottland und Wales, und 4 in anderen Ländern aufgefunden.

Wissenschaftler nehmen an, daß sich diese Variante über eine längere Zeit in einem Patienten mit geschwächtem Immunsystem entwickelte. So hätte es Zeit gehabt, all die Mutationen auf einmal durchzuführen, denn es weist eine ungewöhnlich hohe Anzahl gleichzeitiger Mutationen auf. Hieraus legten die Forscher die Empfehlung ab, daß Ärzte, die an derartigen Patienten arbeiten,  sich zusätzlich schützen müssen.

Es ist immer noch sehr unklar, ob dies der Fall ist, aber Farrar ist der Ansicht, dass es wichtig ist, sicherzustellen, dass Ärzte zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen treffen, wenn sie sich um solche Menschen kümmern:

„Bis wir sicher sind, denke ich, diese Patienten unter ziemlich kontrollierten Bedingungen zu behandeln, wie wir es sinnigerweise bei jemandem tun würden, der eine medikamentenresistente Tuberkulose aufweist. “

Dies betrifft beispielswiese auch Krebspatienten, die wegen einer Chemotherapie und ähnlichen Situationen behandelt werden. „Wir wissen auch noch nichts über Menschen, die beispielsweise aufgrund von HIV immungeschwächt sind“, sagt Farrar.

 

Deutschland unterläßt es Genome von Viren engmaschig zu untersuchen

Die britischen Analysen verwiesen auf das Defizit in Deutschland, Corona-Testproben systematisch auf Mutationen zu untersuchen, also zu „Sequenzieren“. In Deutschland wird offenbar nur jeder 900. positive Corona-Test einer Sequenzierung unterzogen. In Großbritannien jedoch etwa jeder 20. positive Corona-Test. Das Ausmaß der Verbreitung der Varianten ist daher Großbritannien viel leichter nachvollziehbar.

Offenbar hatte sich bereits 2019, also vor dem Bekanntwerden von einem SARS-CoV-2-Ausbruch, die Gesellschaft für Virologie an den Gesundheitsminister gewandt und vergeblich einen Ausbau der Sequenzierungen gefordert. Erst mit dem am 18. November verabschiedeten dritten Bevölkerungsschutzgesetz wurde die rechtliche Grundlage für eine bundesweite Regelungen dazu gelegt. Erst jetzt will das Ministerium dazu eine Verordnung vorlegen.

Ein Jahr lang wurde durch dieses Unterlassen und hinauszögern weggeschaut, welche Mutationen eigentlich durch das Land vagabundieren. Spahns Ministerium teilte auf Tagesspiegel-Anfrage mit:

„Wir arbeiten mit Hochdruck an einer neuen Verordnung dazu. Damit sollen Labore zur molekularen Surveillance verpflichtet werden.“

 

Erste Studie vom 5.12.2020: Mutation B.1.1.7 enthält 17 Einzelmutationen

Wissenschaftler arbeiten unterdessen hart daran, herauszufinden, ob B.1.1.7 wirklich besser in der Übertragung von Mensch zu Mensch ist – noch sind nicht alle davon überzeugt – und wenn ja, warum. Sie fragen sich auch, wie es sich so schnell entwickelt hat.
eine Leistung, die nach Aussage der Wissenschaftler noch nie zuvor gesehen wurde. B.1.1.7 weist eine ungewöhnlich große Anzahl genetischer Veränderungen auf, insbesondere im Spike-Protein.

Ein Grund zur Besorgnis, sagt Rambaut, ist, dass unter den 17 Mutationen acht in dem Gen sind, das das Spike-Protein auf der Virusoberfläche codiert, von denen zwei besonders besorgniserregend sind. Es wurde bereits gezeigt, dass eines,

Drei dieser Mutationen haben potenzielle biologische Wirkungen, die zuvor in unterschiedlichem Ausmaß beschrieben wurden:

Das schnelle Wachstum dieser Linie zeigt nach Ansicht der Wissenschaftler die Notwendigkeit einer verstärkten genomischen und epidemiologischen Überwachung weltweit und Laboruntersuchungen der Antigenität und Infektiosität.

 

Zweite Studie vom 20.12.: „Großbritannien-Mutation“ B.1.1.7 verursacht weniger Krankenhausaufenthalte

Die britische Studie untersuchte 1.769 Patienten mit den gängigen SARS-CoV-2-Stämmen und 1.769 Personen mit der Variante B.1.1.7. Die Patienten zeigen keine wesentlichen Unterschiede im Alter, ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder ihrer Lebenssituation.

Die Forscher entdeckten jedoch bei dieser Gegenüberstellung, dass 16 COVID-Patienten (0,9%), die mit dem Stamm B.1.1.7 infiziert waren, aufgrund ihrer Symptome ins Krankenhaus mussten.

Im Vergleich hierzu wurden 26 Patienten (1,5%), die mit den gängigen SARS-CoV-2-Stämmen infiziert waren, im selben Zeitraum ins Krankenhaus eingeliefert worden. (vgl. Blatt 8)

Teilt man die 0,9% durch die 1,5%, erhält man ein Verhältnis von 0,61, also den Wert, daß ausgehend von der neuen Großbritannien-Mutation die alten Stämme zu 61% öfter einen Verlauf nehmen, der im Krankenhaus behandelt werden muß. Warum in der Studie trotz dieser Tatsache dieser Wert mit er Wertung

„but the difference was not significant“

wegrelativiert wird, ist nicht nachvollziehbar.

Aus diesem Wert ist dennoch offenbar die Tendenz ablesbar, daß die Infektionen durch die „Großbritannien-Mutation“ zu signifikant weniger derart schwerwiegenden Verläufen führt, daß sie im Krankenhaus behandelt werden müssen, als es bei den andren bekannten Varianten der Fall ist. Von diesem Aspekt her betrachtet muß man die „Großbritannien-Mutation“ als harmloser bezeichnen, als die bisher bekannten Varianten.

 

Zweites Briefing vom 20.12.: „Großbritannien-Mutation“ B.1.1.7  schützt besser vor einer Neuinfektion

Doch die Forscher haben noch eine weitere Erleichterung gefunden, die die „Großbritannien-Mutation“ B.1.1.7 mit sich bringt: Es immunisiert besser vor Neuinfektionen. Sie schreiben auf Blatt 9:

Two reinfections were detected in in the variant case group (1.13/1000 cases) compared to 3 reinfections in the comparator group (1.70/1000 cases, Fisher’s exact P=1.00)

Das bedeutet:

  • Aus dem Personenkreis, die mit der Mutation B.1.1.7 infiziert war, zeigten nur zwei Personen innerhalb von 90 Tagen nach ihrer ersten Krankheit ein zweites Mal Symptome.
  • Aus dem Personenkreis, die mit den anderen Varianten infiziert waren, zeigten drei Personen innerhalb von 90 Tagen nach ihrer ersten Krankheit ein zweites Mal Symptome.

Insgesamt ist also die Wahrscheinlichkeit nach einer durchlebten Infektion ein zweites Mal Symptome zu erhalten, gering und bei der Mutation noch geringer.  Eine eigentlich gute Nachricht, möchte man meinen.

Die Autoren der Studie berichten auch, dass der neue Coronavirus-Stamm das Risiko einer zweiten Erkrankung nicht zu erhöhen scheint.

„Es gab auch keinen signifikanten Unterschied in der Wahrscheinlichkeit einer erneuten Infektion zwischen Variantenfällen und der Vergleichsgruppe“,

ist dem Bericht zu entnehmen.

 

„Großbritannien-Mutation“ B.1.1.7 breitet sich schneller aus

Unter diesen Mutationen ist Forschern zufolge eine, die die Rezeptorbindungsdomäne seines Spike-Proteins betrifft. Dies ist jener Teil des Virus, der sich an der Zellen anlagert und in diese eindringt, um sich dann selbst zu vermehren. Diese Veränderung soll dafür verantwortlich sein, daß sich die gesamte Mutation schneller ausbreitet. 

Die Forscher haben auch ermittelt, wie viel schneller sich das Virus ausbreitet. Hierzu arbeiten sie mit einer „attack rate“ (Blatt 9): 

Übersetzt bedeutet dies:

  • unter 15,1% von diesen Indexfällen war die Variante VOC 202012/01 bestätigt worden
  • unter 9,8% von diesen Indexfällen waren andere Varianten bestätigt worden

Setzt man ausgehend von der Mutation beide wieder ins Verhältnis, dann erhält man das Ergebnis, daß die Großbritannien-Mutation sich 65% schneller ausbreitet, als die bisher bekannten Varianten.

 

Drittes Briefing vom 5.1.: Hintergrund der schnelleren Ausbreitung der „Großbritannien-Mutation“ B.1.1.7 

Die britische Regierung fragt die Infizierten offenbar umfangreicher ab, als es in Deutschland der Fall ist. Auf dieser erweiterten Datenbansis wird dann die so genannte „attack-rate“ berechnet. Definition „direkter Kontakt“  ist hierbei: Gesicht zu Gesicht innerhalb von 1 Meter; Hautkontakt inklusive sexuellem Kontakt; angehustet, angeniest oder angespuckt.

Zwischen dem 30. November 2020 und dem 20. Dezember 2020 wurden 386.805 Fälle an NHS „Test and Trace“ gemeldet. 9.321 (2,4%) dieser Fälle enthielten genomische Sequenzierungsdaten; 3.801 (40,8%) dieser Fälle waren VOC 202012/01. 212.943 (55,1%) Fälle hatten Daten von TaqPath; 90.401 (42,5%) dieser Fälle waren Isolate mit SGTF.

Zwischen dem 30. November 2020 und dem 20. Dezember 2020 wurden 956.519 Kontakte gemeldet, die NHS Test and Trace gemeldet wurden. 20.497 Kontakte wurden in Fällen mit genomischen Sequenzierungsdaten gemeldet; 9.228 dieser Kontakte wurden in Fällen mit VOC 202012/01 gemeldet. 525.001 Kontakte wurden in Fällen der Säule 2 gemeldet, die von TaqPath-Labors getestet wurden. 262.769 dieser Kontakte wurden in Fällen mit SGTF gemeldet.

Hieraus ermittelten die Forscher:

121,072 (12.7%) of all contacts were known to become cases (secondary attack rate):
• 14.7% among those whose index case had VOC 202012/01; 14.9% among those whose index case had SGTF
• 11% among those whose index case had a genomic result of wild type; 11% among those whose index case was tested by a TaqPath lab and did not have SGTF

oder übersetzt:

Es war bekannt, dass 121.072 (12,7%) aller Kontakte Fälle wurden (sekundäre Angriffsrate):

• 14,7% unter denen, die die aktuelle Mutation B.1.1.1. aufweisen; bzw. 14,9% unter denen, deren Indexfall SGTF hatte

• 11% unter denen, die eine der andren Mutationen aufwiesen; 11% unter denen, deren Indexfall von einem TaqPath-Labor getestet wurde und keine SGTF hatte

Was hier jedoch unerwähnt bleibt ist, daß die Gruppe der mit der Mutation B.1.1.1. Infizierten jünger ist und damit ein andres Sozialverhalten aufweist, als die Gruppe der Gruppe derer, die mit allen anderen Mutationen infiziert ist. Der Tabelle 2 des zweiten Briefings vom 5. Januar kann man beispielsweise entnehmen, daß Teile der Generation 60+ von der alten Mutation bis zu 50% öfter befallen sind, als die Vergleichsgruppen im selben Alter, die mit allen der neuen Mutation B.1.1.1. infiziert sind. Gemäß Tabelle breitet sich die neue Mutation am schnellsten in der Gruppe der 40-49-Jährigenm aus. In dieser Altersgruppe sind prozentual als erstes bereits mehr Personen betroffen, als in jeder anderen 10-Jahresscheibe und in dieser Altersgruppe überwiegt die relative Infektionsrate als erstes bereits der relativen Infektionsrate der selben Altersgruppe mit allen anderen Mutationen.

 

Berichterstattung schneidet den Rückgang der schweren Fälle und den besseren Schutz vor Neuinfektion einfach weg

Bisher berichtete in Deutschland offenbar lediglich das Wissenschaftsmagazin Spektrum berichtete davon, daß die „Großbritannien-Mutation“ weniger schwere Verläufe hervorruft.

So gut wie alle „Qualitätsmedien“ begrenzen ihre Berichterstattung auf die erhöhte Ausbreitungsgeschwindigkeit.

 

20.12. Durch Politik erzeugte Panik

Weniger als zwei Wochen nach diesen ersten Analysen verursacht die Bekanntgabe dieser Variante in Großbritannien und anderswo in Europa Chaos. Als der britische Premierminister Boris Johnson um den 20.12. herum strengere Sperrmaßnahmen andeutete und nur mitteilte, daß die Belastung, die unter dem Namen B.1.1.7 bekannt ist, sich schneller unter den Menschen ausbreiten kann, flohen viele Briten regelrecht aus der Hauptstadt auf das Land.

Die Nachricht veranlasste wieder einmal viele Großstadtbewohner, ihre Stadt lieber heute als morgen zu verlassen, bevor die neuen Regeln in Kraft treten, was zu überfüllten Bahnhöfen in London führte.

Die Niederlande, Belgien und Italien gaben bekannt, dass sie Passagierflüge aus dem Vereinigten Königreich vorübergehend einstellen würden. Der Eurostar-Zug zwischen Brüssel und London wird am 20.12. Abend um Mitternacht mindestens 24 Stunden lang nicht mehr fahren.

Hierüber reagierten die Briten verschnupft:

The ban on flights from the United Kingdom that other countries are imposing “is pretty extreme,” Hodcroft says. But it does give countries time to think about putting any additional measures in place to deal with passengers from the United Kingdom, she says: “I would hope that most countries in Europe are thinking about this.”

 

14.1. Angela Merkel instrumentalisiert die Mutation zu politischen Zwecken

Auch in Deutschland kursiert das neue Virus wohl schon seit November. Fachleute der Medizinischen Hochschule Hannover identifizierten den Erreger bei einem Ehepaar in Niedersachsen, die bereits Ende November erkrankt waren. Vermutlich habe die Tochter des Mannes sich im November in England mit dem Virus angesteckt, heißt es in der Pressemitteilung.

Am 22.12. hat die Bundesrepublik eine Schließung des Flugverkehrs aus Großbritannien verfügt, aber ausweslich der online zur Verfügung stehenden Flugpläne zur Ankunft nicht umgesetzt. Da stellt sich natürlich die Frage, warum nicht früher auf die Mutation reagiert wurde. Die Beantwortung dieser Frage ist schon deswegen zentral, um mit belastbaren Fakten keine Verschwörungstheorien zu befeuern, wie z.B. das Argument, daß die Regierungen in Bund und Ländern den Eintrag von Viren über unkontrollierte Grenzen von außen nach Deutschland und analog den Eintrag von Viren über unkontrollierte Alten- und Pflegeheime von außen in die Alten- und Pflegeheime durch nterlassen von deren Schutz, die Inzidenz-Zahlen erst ermöglicht, die sie zum Betreiben ihrer Politik benötigt. Seit Ende November wäre es also theoretisch und praktisch möglich gewesen etwas gegen die Einschlepung und Ausbreitung der Mutation B 1.1.7 zu unternehmen.

All dessen ungeachtet behautet Angela Merkel nun:

Merkel erklärte, dass sie beim vergangenen Bund-Länder-Gipfel am 5. Januar noch nichts über die Corona-Mutation wusste. ABER: „Die Situation hat sich verändert.“ Das sei der Grund für die schnellere Reaktion, so die Kanzlerin. Es sei ein Kampf gegen die Zeit!… Man müsse jetzt handeln, erklärte Braun weiter. Sonst würde man der Regierung später vorwerfen „dass wir nichts getan hätten“… Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (42, CDU) wählte dramatische Worte: „Wir müssen auf die Mutation reagieren. Sonst werden uns das die Bürger nicht verzeihen.“… Es sei nicht gut, wenn sich „Länder wie Bayern“ schnell von den Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz abwendeten.

Am 14.1. begann die Bild-Zeitung die Bevölkerung auf noch weitergehende Maßnahmen einzustimmen.

Sie verwies auf Experten, die „sehr beunruhigt“ über die britische Corona-Variante seien und warnte vor einem Anstieg der Fallzahlen wie in Großbritannien und Irland. Dort sei die Situation „dramatisch“, die Menschen trauten sich nicht mehr auf die Straße. Ihr Appell an das CDU-Präsidium: „Wir müssen Kräfte mobilisieren“, um eine solche Entwicklung in Deutschland zu vermeiden. Dazu will die Bundeskanzlerin bereits in der kommenden Woche, möglicherweise am 20. Januar, eine Ministerpräsidentenkonferenz mit den Regierungschefs der Länder abhalten, um über eine neue Verschärfung der Maßnahmen zu beraten – den MEGA-LOCKDOWN!

So weit die offizielle Variante. Festhaltenswert ist, daß Anhela Merkel Fakten unerwähnt läßt und nur einen verweis ins Blaue als Argument anführt. Es wird auch kein einziger „Experte“ namentlich genannt. Zur Konkretisierung bemüht die Bildzeitung interne Quellen: Auch zu den intern angeführten Argumenten der „neuen Mutation“ und der angeblich außer Kontrolle geratene Inzidenzzahlen in Irland:

Nach BILD-Informationen wird bereits im Verkehrsministerium geprüft, welche Konsequenzen für Mobilität und Logistik ein kompletter Shutdown des Landes hätte. Man arbeite daran, trotzdem die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Verkehrsminister Andreas Scheuer wollte sich auf BILD-Anfrage dazu nicht äußern. Seit Tagen wird im Kabinett die Infektionskurve aus Irland diskutiert. „Es herrscht die blanke Angst wegen der Mutation“, sagte ein Teilnehmer zu BILD. Seit Mitte Dezember erlebte Irland den steilsten Anstieg von Corona-Ansteckungen, der bislang weltweit registriert wurde. Die 7-Tages-Inzidenz stieg zwischen dem 29. Dezember bis zum 10. Januar von 140 auf gut 1000, mittlerweile fällt sie wieder.

Doch offizielle Vertreter der WHO sagen das genaue Gegenteil von dem, was Angela Merkel vorträgt. Angela Merkel schneidet hierbei offenbar das Faktum weg, daß die gegenwärtigen Anstiege in Irland
„auf die zunehmende soziale Vermischung in der Weihnachtszeit zurückzuführen“
waren. Diese Aussage kam offenbar sogar von der Weltgesundheitsorganisation. Der Notfallchef der WHO Mike Ryan äußerte am 11.1. gegenüber der Irish-Times
Der Wochenanalyse der Zahlen aus Irland kann man für die erste Woche des Jahres 2020 entnehmen, wer die Hauptreiber dieses Anstiegs der Zahlen sind: Seite 11 und 12 der Wochenanalyse kann man beispielsweise entnehmen, daß dies die Generation der 19-24-Jährigen ist. Diese Altersgruppe hat eine Inzidenzzahl von 2000 erreicht. Innerhalb der 19-24-Jährigen sind wiederum die Frauen stärker an diesem gegenwärtigen Anstieg beteiligt, als die Männer.

Fazit: Der Preis der Vertuschung

Entnimmt man den bisher vorliegenden Studien nicht nur die Tatsache, daß die „Großbritannien-Mutation“ sich wohl tatsächlich um 65% schneller ausbreitet, als die bisherigen Varianten, sondern auch die Tatsache, daß die „Großbritannien-Mutation“ offenbar auch 61% weniger Fälle bewirkt, die im Krankenhaus behandelt werden muß, dann  ist diesen Ergebnissen entnehmbar, daß sich diese beiden Wirkungen der neuen Mutation gegenseitig weitgehend aufheben, so weit die Belastung der Krankenhäuser als Maßstab herangezogen wird.

Der aktuelle Forschungsstand hat noch keine Erkenntnisse dazu geliefert, daß sich an der Tatsache, daß 97% der im Krankenhaus behandelten Fälle durch die Generation 60+ gestellt wird, durch die „Großbritannien-Mutation“ etwas ändern würde. Ein Rückgang der im Krankenhaus zu behandelnden Fälle würde also die Generation 60+ entlasten.

Übersetzt man die Ergebnisse aus dem Englischen richtig ins Deutsche, darf man nur von einer erhöhten „Ausbreitung“ bzw. ggf. noch von  einer erhöhten „Infektiosität“ sprechen, wobei diesen bisherigen Studien nicht entnehmbar ist, ob die Betroffenen Symptome gezeigt haben, oder keine, denn es war beiden Vergleichsgruppen nur von „Patienten“ die Rede.

 

Franz Bergmüller stellt der Staatsregierung die Fragen, die Andere nicht stellen

 

1. Mutationen

1.1. Ist die grundsätzliche Aussage, – von Ausnahmen abgesehen – zutreffend, daß Mutationen von Viren, die den Tod des Wirts zur Folge haben, seltener vorkommen, als Mutationen von Viren, die den Wirt nicht töten?

1.2. Trifft die in 1.1. abgefragte Tendenz grundsätzlich auch für die Ausbreitung von Viren zu, sodass Mutationen von Viren, die die Ausbreitung beschleunigen, häufiger vorkommen, als Mutationen von Viren, die die Ausbreitung verlangsamen?

1.3. Wie ist zu den in 1.1. und 1.2. abgefragten Umständen die herrschend Meinung der Wissenschaft (Bitte hierzu neutrale Studien angeben)?

 

2. Genanalysen von Viren

2.1. Ist zutreffend, daß in Deutschland bzw. Bayern nur die Gensequenzen von etwa einer aus 900 Virenproben sequenziert werden (Bitte die Zahlen für Bayern und insbesondre die wöchentliche Anzahl der Sequenzierungen der Covid-Mutationen pro wöchentlicher Infektionsmeldung aufschlüsseln)?

2.2. Aus welchen Gründen hält die Staatsregierung die in 2.1. abgefragten Zahlen für Bayern ausreichend angesichts der Tatsache, daß gemäß Auffassung der Staatsregierung eine Pandemie vorliegt, die die intensivsten Einschränkungen der Grundrechte der Bürger seit dem 2. Weltkrieg mit sich bringt)

2.3. Welche Initiativen hat die Staatsregierung gestartet diese in 2.1. und 2.2. abgefragten Zahlen zu erhöhen (Bitte chronologisch aufschlüsseln)?

 

3. Covid-19-Mutation B.1.1.7 weniger gefährlich als bisherige Mutationen

3.1. Ist aus Sicht der Staatsregierung der im Vorspruch zitierten Veröffentlichung der britischen Regierung und ihrer Aktualisierung „Technical briefing 2“ aus dem selben Monat Dezember 2020 auf Seite 8 zu entnehmen, daß aus den in zwei Vergleichsgruppen untersuchten 3,538 Infizierten aus der Gruppe mit den altbekannten Mutationen 26 Patienten und damit 1,5% der Infizierten  ins Krankenhaus mussten und bei den mit der  neuen Mutation B.1.1.7 Infizierten lediglich 0,9% der Infizierten ins Krankenhaus mussten?

3.2. Ist aus den in 3.1. abgefragten Zahlen zutreffend zu entnehmen, daß ausgehend von der Gruppe der mit der Mutation B.1.1.7 16 Infizierten, die ins Krankenhaus mussten der Wert zutreffend kalkuliert, daß die 26 Infizierten aus der Vergleichsgruppe der „normalen“ Mutationen, um 61 Prozent übertrifft (Im Verneinungsfall bitte korrigierte Werte zugrunde legen)?

3.3. Teilt die Staatsregierung die aus den in 3.1. und 3.2. abgefragten Zahlen ableitbare Aussage, daß diese Covid-19-Mutation B.1.1.7 geeignet ist, Krankenhäuser erheblich zu entlasten?

 

4. Covid-19-Mutation B.1.1.7 schützt besser vor Neuinfektion

4.1. Ist aus Sicht der Staatsregierung der im Vorspruch zitierten Veröffentlichung der britischen Regierung und ihrer Aktualisierung „Technical briefing 2“ aus dem selben Monat Dezember 2020 auf Seite 9 zu entnehmen, daß aus den in zwei Vergleichsgruppen untersuchten 3,538 Infizierten aus der Gruppe mit den altbekannten Mutationen drei Infizierte ein zweites Mal Symptome entwickeln und bei den mit der  neuen Mutation B.1.1.7 Infizierten lediglich zwei Infizierte ein zweites Mal Symptome entwickeln?

4.2. Ist aus den in 4.1. abgefragten Zahlen zutreffend zu entnehmen, daß ausgehend von der Gruppe der mit der Mutation B.1.1.7 zwei Infizierten, die ein zweites Mal Symptome entwickeln der Wert zutreffend kalkuliert, daß die drei Infizierten aus der Vergleichsgruppe der „normalen“ Mutationen, um 33 Prozent übertrifft (Im Verneinungsfall bitte korrigierte Werte zugrunde legen)?

4.3. Teilt die Staatsregierung die aus den in 4.1. und 4.2. abgefragten Zahlen ableitbare Aussage, daß die Covid-19-Mutation B.1.1.7 geeignet ist, Infizierte besser vor einer neuen Infektion zu schützen, als alle bisherigen Mutationen?

 

5. Covid-19-Mutation B.1.1.7 breitet sich schneller aus

5.1. Ist aus Sicht der Staatsregierung der im Vorspruch zitierten Veröffentlichung der britischen Regierung und ihrer Aktualisierung „Technical briefing 3“ aus dem Monat Januar 2021 insbesondere aus Tabelle 2 zu entnehmen, daß die „secondary attack rate“ bei der Mutation B.1.1.7 eine höhere Infektionsrate herauslesen lässt, als bei der Gruppe der mit allen anderen Varianten befallenen Vergleichsgruppe?

5.2. Welchen Einfluß auf die in 5.1. abgefragte höhere „secondary attack rate“ hat nach Ansicht der Staatsregierung der Umstand, daß aus Tabelle 2 des 3. Briefings entnehmbar ist, daß die Jahrgangsgruppe der hoch aktiven 40-49-Jährigen zur Verbreitung der Mutation B.1.1.7 beigetragen hat, im Gegensatz zum geringen Verbreitungsbeitrag in der Generation 60+ (Bitte hierbei einordnen, ob nicht das aktivere Sozialverhalten der Jahrgangsscheibe der 40-49-Jährigen statt die erhöhte Infektiosität zur beschleunigten Ausbreitung beiträgt)?

6.3. Teilt die Staatsregierung die aus den in 6.1. und 6.2. abgefragten Zahlen ableitbare Aussage, daß diese Covid-19-Mutation B.1.1.7 das Sozialverhalten der Jahrgangsscheibe der 40-49-Jährigen einen erkennbar gesteigerten Beitrag zur Ausbreitung der Covid-19-Mutation B.1.1.7 liefert (Im Verneinensfall bitte begründen)?

 

6. Einfluß der Covid-19-Mutation B.1.1.7 auf den Anstieg der Inzidenzzahlen in Irland

6.1. Welche Tatsachen liegen der Staatsregierung bis zum Zeitpunkt der Beantwortung dieser Anfrage betreffend der Tatsachen zum Anstieg der Inzidenzien in Irland vor, die mit der folgenden Aussage des Notfallchefs der WHO, dem Iren Mike Ryan in folgendem Satz am 11.1. zum Ausdruck gebracht wurden „Mein eigenes Land in Irland. . . hat einen der akutesten Anstieg der Krankheitsinzidenz eines Landes der Welt erlitten… und zwar nicht aufgrund der Variante, möchte ich hinzufügen, sondern aufgrund der zunehmenden sozialen Vermischung und Verringerung der physischen Distanzierung.“ (Bitte chronologisch voll umfänglich aufschlüsseln)?

6.2. Welche Tatsachen liegen der Staatsregierung bis zum Zeitpunkt der Beantwortung dieser Anfrage betreffend der Tatsachen zum Anstieg der Inzidenzien in Irland vor, die mit der folgenden Aussage des Notfallchefs der WHO, dem Iren Mike Ryan in folgendem Satz am 11.1. zum Ausdruck gebracht wurden „Neue Variantenstämme... war nicht der Treiber der neuen Entwicklung.“ (Bitte chronologisch voll umfänglich aufschlüsseln)?

6.3. Welche Tatsachen liegen der Staatsregierung bis zum Zeitpunkt der Beantwortung dieser Anfrage betreffend der Tatsachen zum Anstieg der Inzidenzien in Irland vor, die mit dem in der

 

7. Bewertung der in 1 bis 6 abgefragten Fakten innerhalb der Staatsregierung

7.1. Welche Tatsachen sind der Staatsregierung bekannt, die den in 3.1.; 4.1.; 5.2 abgefragten Tatsachen widersprechen, daß die Mutation B 1.1.7. des Covid-19-Virus für die Generation 60+ das Schicksal eines Infizierten eher verbessert, als verschlechtert?

7.2. Welche Tatsachen sind der Staatsregierung bekannt, die dafür spricht, daß die Wirkung der in 5 abgefragten schnelleren Verbreitung der Mutation B 1.1.7. des Covid-19-Virus die in 3 abgefragte Wirkung der reduzierten schweren Verläufe und die i 4 abgefragte Wirkung des besseren Schutzes gegen eine erneute Infektion überkompensieren könnte (Bitte unter Angabe der Quellen vollständig auflisten)?

7.3. In welchem Umfang wurden die in 3; 4; 5.2 abgefragten wissenschaftlichen Tatsachen, die die Mutation B 1.1.7. offenkundig weniger todbringend machen, als alle bisherigen Varianten, im Kabinett thematisiert (Bitte  die in diesem Zusammenhang ausgetauschten Argumente chronologisch nach Tagen aufschlüsseln)?

 

8. Bewertung der in 1 bis 6 abgefragten Fakten in der Bund-Länder-Konferenz

8.1. Welche der in 3.1.; 4.1.; 5.2 abgefragten Tatsachen hat die Staatsregierung in der auf den 14.1. folgenden Bund-Länder-Konferenz eingebracht, oder dort besprochen (Bitte die Argumentationslinie und den daraus abgeleiteten Einfluß auf die Entscheidungsfindung darlegen)?

8.2. Welche der in 6.1.; 6.2 abgefragten Tatsachen hat die Staatsregierung in der auf den 14.1. folgenden Bund-Länder-Konferenz eingebracht, oder dort besprochen (Bitte die Argumentationslinie und den daraus abgeleiteten Einfluß auf die Entscheidungsfindung darlegen und hierbei insbesondere die Verhinderung der Verbreitung der falschen Tatsache, daß für den Anstieg die Mutation B.1.1.7 ursächlich wäre)?

8.3. Hat die Staatsregierung oder ein anderer Teilnehmer in der auf den 14.1. folgenden Bund-Länder-Konferenz angeregt, die Ideologie der unkontrollierten Grenzen aufzugeben, um mit Hilfe verstärkter Grenzkontrollen bei der Einreise auch Covid-19 die Einreise zu erschweren, statt die Folgen der durch unterlassene Kontrollen möglichen grenzenlosen Einreise von Covid-19-Viren der unter „Hausarrest“ stehenden Bevölkerung aufzubürden (Im Verneinensfall bitte begründen)?

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