Wie US-Präsident Trump die Antifa bekämpft: US-Behörden füttern eine Datenbank mit identifizierenden Bildern und lassen diese von der Palantir-Software „ELITE“ durchforsten
Quelle: By Fibonacci Blue - https://www.flickr.com/photos/44550450@N04/32136654424, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=96172966
WASHINGTON – Das Handy als Waffe: US-Behörden füttern eine Datenbank mit Bildern verdächtig wirkender Demonstranten um mit Hilfe eines Gesichtserkennungsprogramms von Palantir die Antifa und deren Hintermänner und Geldgeber zu identifizieren.
.
.
Im vergangenen Sommer wurde bekannt, dass Präsident Donald Trump Palantir beauftragt hatte, die privaten und persönlichen Daten aller Amerikaner, einschließlich ihrer DNA, in einer zentralen Datenbank zu erfassen. Mehrere Ministerien erhielten Zugriff auf die Produkte von Palantir, insbesondere das Heimatschutzministerium (DHS) und die Software Foundry .
Vier Monate nachdem US-Präsident Donald Trump außerdem eine Executive Oder unterzeichnet hat, mit der er die Antifa als terroristische Organisation einstuft, und nachdem er nach der Ermordung von Charlie Kirk versprochen hat, gegen linke Gruppen vorzugehen wird nun klar, wie die US-Regierung dies umsetzen wird.
„Wir haben da eine nette kleine Datenbank, und jetzt gelten Sie als inländischer Terrorist.“
beschrieb ein ICE-Beamter das Konzept. In die Datenbank kommt, wer den Verdacht auf sich zieht dem Antifa-Konzept zu folgen, beispielsweise, weil er bei Kundgebungen die ICE-Beamten penetrant filmt. So geschah es auch bei den in diesem Monat in Minnesota tragisch ums Leben gekommenen
In beiden Fällen hatten sie und ihre Umgebung die ICE-Beamten mit ihren Smartphones gefilmt. Umgekehrt filmen diese ICE-Beamten dann die Kundgebungsteilnehmer und deren Fahrzeugkennzeichen. Nun sind unabhängig voneinander Informationen aufgetaucht, was mit den Aufnahmen der ICE-Beamten geschieht: Sie dienen der Identifikation der Kundgebungsteilnehmer und landen in einer großen Datenbank, die dann mit Hilfe der Palantir-Software „ELITE“ analysiert wird. Inzwischen liegen einige Mosaiksteine vor, die es erstmals erlauben sich ein grobes Bild zu machen:
Portland: eine Datenbank für „inländische Terroristen“
Letzte Woche ging ein Video in den sozialen Medien viral, das einen ICE-Agenten in Portland, Maine, zeigt, der einer Frau sagt, dass sie fotografiert, gefilmt und in einer Datenbank gespeichert wurde und nun als „inländische Terroristin“ gilt.
Ein Witz? Nein, eine explizite Anweisung des Ministeriums:
Ministerium: identifizierende Informationen über die sammeln, die ICE-Beamte bei der Arbeit filmen
Der Investigativ-Journalist Ken Klippenstein hat vom Ministerium für Innere Sicherheit in Erfahrung gebracht, dass das Ministerium die ICE-Beamten angewiesen hat zu filmen. Diese Anweisung sei Teil einer umfassenden, landesweiten Aktion der US-Einwanderungsbehörden, um alle Personen zu identifizieren, die versuchen, deren Verhalten zu filmen. Dies betrifft nicht nur die Einwanderungsbehörde ICE, sondern auch andere Behörden des Heimatschutzministeriums wie die Grenzpolizei. Das Ziel sei die Erstellung einer Liste von ICE-Gegnern, die die Trump-Regierung als Teil eines organisierten Netzwerks inländischer Terroristen betrachtet:
David Bier, Direktor für Einwanderungsstudien: ICE übt durch Filmen Repression aus
Die Bemerkung war nicht bloß Angeberei oder Provokation. Zusätzlich zu den Informationen meiner Quellen beim Heimatschutzministerium (DHS) veröffentlichte David Bier, Direktor für Einwanderungsstudien am Cato Institute, letzten Monat einen Bericht,der zahlreiche Vorfälle ähnlich dem in Portland zusammenfasst. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass das DHS eine offizielle Richtlinie zur Einschüchterung von Personen verfolgt, die versuchen, sie zu filmen, und zwar mit der fragwürdigen rechtlichen Begründung, dies käme einer Behinderung der Bundesbehörden gleich.
heißt es in dem Bericht. Auf die Frage nach dem Zweck der DHS-Richtlinie, die ICE-Filmer zu filmen, bestätigte Bier dem Autor, dass die Informationen in Datenbanken für mögliche zukünftige Strafverfolgungsmaßnahmen eingespeist würden.
Mit dieser Information im Hinterkopf erscheint es plausibel, dass der ICE-Beamte, der Good filmte, vermutlich Informationen über Good sammelte, um um diese mit einem potentiellen inländischen Terrornetzwerk abzustimmen, dem Good laut Angaben von Beamten der Trump-Regierung demnach angehört haben könnte. Ebenso ermitteln ICE-Beamte nun wohl gegen Goods Witwe.
Pam Bondi, Generalstaatsanwältin: erstellt „Liste von Extremisten“
Die Trump-Regierung hat bereits damit begonnen, eine Liste von „Extremisten“ in den USA zu erstellen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete im Dezember:
Doch dem Heimatschutzministerium (DHS) und der Einwanderungsbehörde (ICE) stehen nun noch mehr biometrische Instrumente zur Verfügung.
.
Identifikation der Unterstützerkreise
Die Anweisung ist Teil einer umfassenden, landesweiten Aktion der US-Einwanderungsbehörden, um alle Personen zu identifizieren, die versuchen, ihr Verhalten zu filmen. Dies betrifft nicht nur die Einwanderungsbehörde ICE, sondern auch andere Behörden des Heimatschutzministeriums wie die Grenzpolizei. Das letztendliche Ziel ist die Erstellung einer Liste von ICE-Gegnern, die die Trump-Regierung als Teil eines organisierten Netzwerks inländischer Terroristen betrachtet. Die Maßnahme geht jedoch über die bloße Verhinderung von Filmaufnahmen von ICE-Beamten hinaus.
Auf die Frage nach dem Zweck der DHS-Richtlinie, die ICE-Filmer zu filmen, sagte mir Bier, dass die Informationen in Datenbanken für mögliche zukünftige Strafverfolgungsmaßnahmen eingespeist würden.
Diese Praxis lässt sich auch im Fall der Tötung von Renee Good Anfang dieses Monats in Minneapolis beobachten. Videoaufnahmen des Vorfalls zeigen, wie der ICE-Beamte Jonathan Ross kurz vor den Schüssen ein Handy hochhält und Good in ihrem Fahrzeug filmt.
„ELITE“: das biometrische Identifizierungs- und Vorhersagealgorithmen von Palantir
Das wirft die Frage auf, ob dies einer der Hauptgründe für das Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE ist. Schließlich wurden ihnen im Rahmen einer neuen Finanzierungsrunde im letzten Jahr zahlreiche neue biometrische Instrumente zur Verfügung gestellt. DHS und ICE setzen vermehrt Gesichtserkennung und prädiktive Algorithmen ein, um Verhaftungen vorzubereiten, und dahinter verbirgt sich ein verdecktes Sozialkreditsystem.
Letzte Woche veröffentlichte Biometric Updateeinen brisanten Bericht über das KI-gestützte Vorhersagetool ELITE der US-Einwanderungsbehörde ICE, das von Palantir entwickelt wurde.
„Mit einem Budget von 160 Millionen Dollar sprengt die dystopische Technologiearchitektur der ICE die Grenzen des Rechts“,
Aus Beschaffungssicht scheint ELITE in das umfassendere Ökosystem des ICE für das Ermittlungsfallmanagement (ICM) eingebunden zu sein. Dieses Ökosystem wird durch einen langjährigen Lieferauftrag von Palantir Technologies im Rahmen des GSA-Vertrags GS35F0086U , Lieferauftragsnummer 70CTD022FR0000170, unterstützt, der den Betrieb und die Wartung des ICM-Systems sowie kundenspezifische Systemerweiterungen umfasst.
Den Rest des Berichts mit weiteren Details findet manhier.
Eine von Präsident Joe Biden eingeführte Rechtsgrundlage Gesichtserkennung zu nutzen
Die ministeriumsweite Nutzung von Gesichtserkennungs- und Gesichtserfassungstechnologie wurde unter der Biden-Administration im Jahr 2023 mit der Richtlinie 026-11 genehmigt . Darin heißt es, dass das DHS biometrische Daten geschützter Personen, einschließlich des Alters,