WASHINGTON – Donald Trump leitete am Montag das Verfahren ein, bestimmte Ortsgruppen der Muslimbruderschaft als ausländische Terrororganisationen und speziell als globale Terroristen einzustufen.
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Ägypten, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Jordanien sowie Russland (seit 2003) haben die Bruderschaft verboten. Trump wollte bereits während seiner ersten Amtszeit die gesamte Bruderschaft verbieten, war aber hieran gescheitert. Nun ziehen die USA halbherzig nach. Halbherzig, weil die aktuelle Initiative nicht der gesamten Bruderschaft gilt, sondern nur demjenigen Teil, der die Angriffe auf Israel initiiert hatte.
Laut einem Fact-Sheet des Weißen Hauses unterzeichnete Präsident Trump eine Exekutivanordnung, die Außenminister Marco Rubio und Finanzminister Scott Bessent anweist, einen Bericht darüber vorzulegen, ob Ableger der Muslimbruderschaft, etwa im Libanon, in Ägypten und in Jordanien, als terroristische Organisationen eingestuft werden sollen. Die Anordnung verpflichtet die Minister, innerhalb von 45 Tagen nach Vorlage des Berichts über etwaige Einstufungen zu entscheiden.
Die Trump-Administration hat Gruppierungen der Muslimbruderschaft in diesen Ländern beschuldigt, gewalttätige Angriffe gegen Israel und US-Partner zu unterstützen oder zu fördern oder der palästinensischen militanten Gruppe Hamas materielle Unterstützung zu leisten.
heißt es in einem Informationsblatt des Weißen Hauses.
Letzte Woche bezeichnete der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, in einer Proklamation sowohl die Muslimbruderschaft als auch den Rat für Amerikanisch-Islamische Beziehungen ( CAIR ) als ausländische Terrororganisationen und transnationale kriminelle Organisationen.
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Die Einordnung einiger Zweige der Muslimbruderschaft als Terrororganisation
Dem Weißen Haus kann man zu der Einordnung entnehmen:
- Nach dem Anschlag vom 7. Oktober 2023 half der militärische Flügel der libanesischen Muslimbruderschaft Terrorgruppen dabei, mehrere Raketenangriffe gegen zivile und militärische Ziele in Israel zu starten.
- Ein hochrangiger ägyptischer Muslimbruder rief am selben Tag, an dem die Hamas den Anschlag vom 7. Oktober verübte, zu gewalttätigen Angriffen gegen US-Partner und -Interessen im Nahen Osten auf.
- Berichten zufolge leisten jordanische Muslimbruderschaftsführer seit langem materielle Unterstützung für den militanten Flügel der Hamas.
Tatsache ist, dass auch die Bundesregierung die Moslembrüder vom Verfassungsschutz beobachten lässt:
Und weiter heißt es:
Vergleichbares kann man den bayerischen Verfassungsschutzbehörden entnehmen:
Eine solche Rücksichtnahme kritisiert der zum Christentum konvertierte Dan Burmawy ausdrücklich:
Türkei und Katar wurden ausgenommen
Das Unangenehme an diesem Verbot ist, daß die USA lediglich die Zweige in Ägypten, Jordanien und Libanon als Terrorgruppen ansehen. Ein Grund: diese hätten direkte Verbindungen und Vorläufer bei der Hamas, al-Qaida und ISIS. Unangetastet bleiben die aktuellen Hochburgen der Muslimbruderschaft Katar, Türkei und Großbritannien. Damit nimmt Trump auch die Geldgeber, der Moslembrüder explizit aus.
In der EU ist die Bruderschaft übrigens nur in Österreich seit 2021 mit einem expliziten Verbot von Symbolen und Aktivitäten belegt. Ansonsten darf sie in der ganzen EU frei operieren.
Katars Lobbytätigkeit in den USA ist bekannt, wird jedoch weit weniger thematisiert als die israelische Einflusspolitik. Kurzer Vergleich: Israel lobbyiert nicht direkt, sondern hauptsächlich über AIPAC, die als amerikanische Organisation nicht unter das Foreign Agents Registration Act fällt. AIPAC gab 2024 3,3 Millionen Dollar für Lobbying aus.
Katar gab 2023 allein 16 Millionen Dollar aus. Seit 2015 hat die registrierte katarische Lobby 243 Millionen US-Dollar investiert. Direkte Wahlspenden darf Katar nicht tätigen – anders als AIPAC, das zusammen mit anderen pro-israelischen Organisationen jährlich etwa 50 Millionen Dollar für Wahlkämpfe ausgibt. AIPAC war 2024 die mit Abstand stärkste Einzel-Lobby in US-Wahlen.
Wie viel Katar indirekt über US-Bürger und Firmen in Wahlkämpfe investiert, ist unbekannt. Dafür pumpt Katar gewaltige Summen in US-Universitäten und ist dort der bei weitem größte ausländische Spender: seit 1986 über 6 Milliarden Dollar. Die gesamten katarischen Investitionen in den USA seit 2000 werden auf 40 bis 100 Milliarden Dollar geschätzt.
Ärger über die Ausnahmen
Der arabisch-amerikanische Autor Dan Burmawy, ein profunder Kenner der Bruderschaft und des Islam, warnt seit Jahren vor ihr. Auch er sieht die Verordnung als Kosmetik:
„Die klugen Strategen, die Radikalisierer und Finanziers in Katar und der Türkei bleiben unangetastet.“
Er analysierte die Reaktion der arabischen Welt und schrieb dazu:
„Die Muslimbruderschaft wird von muslimischen Herrschern gehasst, weil sie deren Autorität als illegitim in Frage stellt, aber sie wird von den Massen geliebt. […] 99 % der Menschen verteidigen die Muslimbruderschaft und betrachten sie als die rechtmäßigen Vertreter der unterdrückten Muslime überall. […] Sie ist der Islam in seiner ursprünglichen Form, derselbe Islam, den Mohammed und seine Gefährten predigten und praktizierten, als sie die halbe alte Welt eroberten. […] Die Hamas ist der militärische Arm der Muslimbruderschaft, und 99 % der Muslime weltweit unterstützen die Hamas nicht wegen der ‚Besatzung‘, sondern aus religiösen Gründen. Den Kampf gegen die Muslimbruderschaft im Westen zu führen, ohne sich mit dem Islam selbst auseinanderzusetzen, ist Zeitverschwendung.“
Trump ist bekannt dafür, dass ihm Geschäfte besonders wichtig sind – und mit Katar macht man hervorragende Geschäfte. Nicht umsonst zwang er Netanjahu, sich nach dem angeblichen israelischen Angriff auf Doha öffentlich bei Katar zu entschuldigen.


