Trump erklärt die Muslimbrüderschaft zur ausländischen Terror-Organisation, aber nicht die gesamte

Quelle: By R4BIA.com - http://www.r4bia.com/en/media-materials, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33803238

WASHINGTON – Donald Trump leitete am Montag das Verfahren ein, bestimmte Ortsgruppen der Muslimbruderschaft als ausländische Terrororganisationen und speziell als globale Terroristen einzustufen.

.

.

Ägypten, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Jordanien sowie Russland (seit 2003) haben die Bruderschaft verboten. Trump wollte bereits während seiner ersten Amtszeit die gesamte Bruderschaft verbieten, war aber hieran gescheitert. Nun ziehen die USA halbherzig nach. Halbherzig, weil die aktuelle Initiative nicht der gesamten Bruderschaft gilt, sondern nur demjenigen Teil, der die Angriffe auf Israel initiiert hatte.  

Laut einem Fact-Sheet des Weißen Hauses unterzeichnete Präsident Trump eine Exekutivanordnung, die Außenminister Marco Rubio und Finanzminister Scott Bessent anweist, einen Bericht darüber vorzulegen, ob Ableger der Muslimbruderschaft, etwa im Libanon, in Ägypten und in Jordanien, als terroristische Organisationen eingestuft werden sollen. Die Anordnung verpflichtet die Minister, innerhalb von 45 Tagen nach Vorlage des Berichts über etwaige Einstufungen zu entscheiden.

Die Trump-Administration hat Gruppierungen der Muslimbruderschaft in diesen Ländern beschuldigt, gewalttätige Angriffe gegen Israel und US-Partner zu unterstützen oder zu fördern oder der palästinensischen militanten Gruppe Hamas materielle Unterstützung zu leisten.

„Präsident Trump stellt sich dem transnationalen Netzwerk der Muslimbruderschaft entgegen, das Terrorismus und Destabilisierungskampagnen gegen US-Interessen und Verbündete im Nahen Osten anheizt“,

heißt es in einem Informationsblatt des Weißen Hauses.

Letzte Woche bezeichnete der Gouverneur von Texas,  Greg Abbott, in einer Proklamation  sowohl die  Muslimbruderschaft  als auch den Rat für Amerikanisch-Islamische Beziehungen ( CAIR ) als ausländische Terrororganisationen und transnationale kriminelle Organisationen.

.

Die Einordnung einiger Zweige der Muslimbruderschaft als Terrororganisation

Dem Weißen Haus kann man zu der Einordnung entnehmen:

BEKÄMPFUNG TERRORISMUSBEDROHUNGEN: Präsident Trump stellt sich dem transnationalen Netzwerk der Muslimbruderschaft entgegen, das Terrorismus und Destabilisierungskampagnen gegen US-Interessen und Verbündete im Nahen Osten anheizt.

Tatsache ist, dass auch die Bundesregierung die Moslembrüder vom Verfassungsschutz beobachten lässt:

Weiterhin relevant für die Sicherheitslage bleibt die Wirkung des Terrorangriffs der HAMAS und des darauffolgenden militärischen Vorgehens Israels im Gazastreifen und im Libanon auf jihadistische Organisationen mit einer globalen Agenda. Trotz ideologischer Gegensätzlichkeit beispielsweise des „Islamischen Staates (IS)“ und seiner Ableger gegenüber der aus der „Muslimbruderschaft“ entstandenen HAMAS bildeten die Leugnung des Existenzrechts Israels und der Antisemitismus einen gemeinsamen Bezugsrahmen, der sich unmittelbar auch auf die Sicherheitslage in Europa und in Deutschland auswirkte.

Und weiter heißt es:

Die „Deutsche Muslimische Gemeinschaft e.V.“ (DMG), bis zu ihrer Umbenennung im September 2018 „Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V.“, ist die wichtigste und zentrale Organisation der MB-Anhängerschaft in Deutschland. Ziel der DMG ist es unter anderem, gegenüber Politik, Behörden und zivilgesellschaftlichen Partnern als Ansprechpartnerin eines vorgeblich gemäßigten, weltoffenen Islam in Erscheinung zu treten. Sie verfolgt eine an der MB-Ideologie ausgerichtete Strategie der Einflussnahme im politischen und gesellschaftlichen Bereich. Bei öffentlichen Auftritten werden Bekenntnisse zur MB und verfassungsfeindliche Äußerungen vermieden. Zahlreiche Verbindungen zwischen hochrangigen DMG-Funktionären und namhaften ausländischen Muslimbrüdern verdeutlichen dennoch die Zugehörigkeit der Organisation zum weltweiten MB-Netzwerk. Die DMG unterhält eigene Moscheen und kooperiert darüber hinaus nach eigenen Angaben mit weiteren Gemeinden.

Vergleichbares kann man den bayerischen Verfassungsschutzbehörden entnehmen:

Das von der MB angestrebte politische System weist deutliche Züge eines totalitären Herrschaftssystems auf, das die Souveränität des Volkes sowie die Prinzipien der Freiheit und Gleichheit der Menschen nicht garantiert. Die Ideologie der MB ist auf die Errichtung islamischer Herrschaftsordnungen auf der Grundlage von Koran und Sunna ausgerichtet.

Eine solche Rücksichtnahme kritisiert der zum Christentum konvertierte Dan Burmawy ausdrücklich:

Türkei und Katar wurden ausgenommen

Das Unangenehme an diesem Verbot ist, daß die USA lediglich die Zweige in Ägypten, Jordanien und Libanon als Terrorgruppen ansehen. Ein Grund: diese hätten direkte Verbindungen und Vorläufer bei der Hamas, al-Qaida und ISIS. Unangetastet bleiben die aktuellen Hochburgen der Muslimbruderschaft Katar, Türkei und Großbritannien. Damit nimmt Trump auch die Geldgeber, der Moslembrüder explizit aus.

In der EU ist die Bruderschaft übrigens nur in Österreich seit 2021 mit einem expliziten Verbot von Symbolen und Aktivitäten belegt. Ansonsten darf sie in der ganzen EU frei operieren.

Katars Lobbytätigkeit in den USA ist bekannt, wird jedoch weit weniger thematisiert als die israelische Einflusspolitik. Kurzer Vergleich: Israel lobbyiert nicht direkt, sondern hauptsächlich über AIPAC, die als amerikanische Organisation nicht unter das Foreign Agents Registration Act fällt. AIPAC gab 2024 3,3 Millionen Dollar für Lobbying aus.

Katar gab 2023 allein 16 Millionen Dollar aus. Seit 2015 hat die registrierte katarische Lobby 243 Millionen US-Dollar investiert. Direkte Wahlspenden darf Katar nicht tätigen – anders als AIPAC, das zusammen mit anderen pro-israelischen Organisationen jährlich etwa 50 Millionen Dollar für Wahlkämpfe ausgibt. AIPAC war 2024 die mit Abstand stärkste Einzel-Lobby in US-Wahlen.

Wie viel Katar indirekt über US-Bürger und Firmen in Wahlkämpfe investiert, ist unbekannt. Dafür pumpt Katar gewaltige Summen in US-Universitäten und ist dort der bei weitem größte ausländische Spender: seit 1986 über 6 Milliarden Dollar. Die gesamten katarischen Investitionen in den USA seit 2000 werden auf 40 bis 100 Milliarden Dollar geschätzt.

Ärger über die Ausnahmen

Diese Ausnahmen kritisieren Teile der MAGA-Bewegung, darunter Laura Loomer. Die Journalistin ist eine der lautesten Stimmen des islamkritischen Flügels innerhalb von MAGA, der sich aktuell in einem erbitterten Richtungsstreit mit dem antizionistischen Flügel um Tucker Carlson aber vor allem Nick Fuentes, der die jüngeren MAGA-Unterstützer mobilisiert, befindet. Sie schrieb zur Executive Order:

Die heute von Präsident Trump unterzeichnete Einstufung der Muslimbruderschaft ist wirkungslos, da sie die Muslimbruderschaft in Katar, der Türkei und Syrien – den aggressivsten Ablegern der Muslimbruderschaft – nicht einschließt. Die Exekutivanordnung erwähnt lediglich Ableger der Muslimbruderschaft in Jordanien und Ägypten, wo die Muslimbruderschaft bereits verboten ist. Diese Einstufung ist wohl die schwächste, die wir je gegen die Muslimbruderschaft hätten verhängen können, da sie nicht einmal Katar und die Türkei betrifft. Meine exklusive Meldung scheint sich zu bestätigen. Vor einer Woche berichtete ich exklusiv, dass der Plan, die Muslimbruderschaft pauschal als Terrororganisation einzustufen, auf Wunsch Katars, des größten Geldgebers der Muslimbruderschaft, verworfen wurde. Das ist sehr enttäuschend. Ich bin Präsident Trump zwar dankbar, aber… @POTUS Die Unterzeichnung einer Exekutivverordnung zur Benennung von „Ortsgruppen“ der Muslimbruderschaft, die Probleme, mit denen wir als Nation konfrontiert sind, gehen auf Katar und die Türkei zurück. Das Ganze wirkt wie ein Theaterstück. Die Benennung sollte alle mit der Muslimbruderschaft verbundenen, sich als solche identifizierenden oder von ihr finanzierten Organisationen sowie alle anderen Organisationen umfassen, die sich für die Unterwerfung oder Ersetzung der US-Verfassung als oberstes Gesetz des Landes durch die Scharia oder anderes islamisches Recht einsetzen. Wie ich vorausgesagt habe, wird diese Exekutivverordnung wohl kaum etwas zur Bekämpfung der Muslimbruderschaft oder des islamischen Terrorismus in den USA beitragen. Katar und die Türkei haben die Trump-Regierung erfolgreich beeinflusst, um ihre terroristischen Interessen zu schützen. Das ist bedauerlich.“

Der arabisch-amerikanische Autor Dan Burmawy, ein profunder Kenner der Bruderschaft und des Islam, warnt seit Jahren vor ihr. Auch er sieht die Verordnung als Kosmetik:

„Die klugen Strategen, die Radikalisierer und Finanziers in Katar und der Türkei bleiben unangetastet.“

Er analysierte die Reaktion der arabischen Welt und schrieb dazu:

„Die Muslimbruderschaft wird von muslimischen Herrschern gehasst, weil sie deren Autorität als illegitim in Frage stellt, aber sie wird von den Massen geliebt. […] 99 % der Menschen verteidigen die Muslimbruderschaft und betrachten sie als die rechtmäßigen Vertreter der unterdrückten Muslime überall. […] Sie ist der Islam in seiner ursprünglichen Form, derselbe Islam, den Mohammed und seine Gefährten predigten und praktizierten, als sie die halbe alte Welt eroberten. […] Die Hamas ist der militärische Arm der Muslimbruderschaft, und 99 % der Muslime weltweit unterstützen die Hamas nicht wegen der ‚Besatzung‘, sondern aus religiösen Gründen. Den Kampf gegen die Muslimbruderschaft im Westen zu führen, ohne sich mit dem Islam selbst auseinanderzusetzen, ist Zeitverschwendung.“

Trump ist bekannt dafür, dass ihm Geschäfte besonders wichtig sind – und mit Katar macht man hervorragende Geschäfte. Nicht umsonst zwang er Netanjahu, sich nach dem angeblichen israelischen Angriff auf Doha öffentlich bei Katar zu entschuldigen.