Persönliche Erlebnisse / Eindrücke des Abgeordneten Franz Bergmüller von seiner Privatreise aus Nepal / Bhutan

Quelle: By Jean-Marie Hullot - originally posted to Flickr as Cloud-hidden, whereabouts unknown (Paro, Bhutan), CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4478062

KATHMANDU / THIMPHU – Der Abgeordnete Franz Bergmüller hält sich augenblicklich auf dem Dach der Welt – in Nepal und Bhutan – auf. Hier ein Bericht von den dort gewonnenen Eindrücken (Bilder folgen):

 

Liebe Bürger,

Nepal wurde 2015 von einem schweren Erdbeben gebeutelt. Viele Deutsche spendeten direkt über durch Urlaube gewonnene Kontakte Geld für den Wiederaufbau. In einem Dorf sammelte so unser Reiseführer cirka 40000 € für die etwa 500 Dorfbewohner. Diese Initiative war nur beispielhaft für viele Aktionen.
Bhutan hatte 2009 ein größeres Erdbeben. Das Land konnte sich aber überwiegend selber helfen. Es hat nur etwa 750000 Einwohner als Königreich. Es ist eine konstitutionelle Monarchie. Die zweite große Welle erschütterte Bhutan mit Corona. Das Land wurde über 2 Jahre für Ausländer geschlossen. 2019 kamen noch über 200000 Touristen ins Land. Nach der Öffnung im September 2022 kamen bis heute nur etwa 6000 Touristen ins Land.
Seit September erheben die Bhutanis auch 200 Dollar pro Person Einreisevisagebühr. Auch Indien erhebt jetzt wie auch Nepal eine Visaeinreisegebühr von etwa 60 € pro Person. Damit will man die Einnahmeausfälle kompensieren, schreckt aber gleichzeitig, wie von Bhutanis berichtet, auch Touristen ab. Der bhutanische König gab zwar allen im Tourismus Beschäftigten wegen der Coronabeschränkungen Ausgleichszahlungen, um gerade noch die Miete und etwas Essen bezahlen zu können, aber dies reichte gerade bei den Betrieben nicht aus. Einige konnten nur durch familiäre Familienunterstützungen überleben. Einige bauten ihre Belegschaft um teilweise über die Hälfte ab. Es werden praktisch keine Autos mehr importiert, da die Bürger sparen müssen. Sie sind trotzdem bescheiden und glücklich, weil die Gesellschaft enorm stabil ist. Bhutan hat wenig Industrie, im Tiefland Landwirtschaft, vor Corona einen aufstrebenden Tourismus, aber eine starke Energiewirtschaft wegen des großen Wasserkraftstromes, wo viel Strom nach Indien und Bangladesh exportiert wird.
Seit 2008 gibt es in Bhutan eine konstitutionelle Monarchie und die Demokratie funktioniert dort. Aber auch Bhutan hat jetzt wegen der Coronafolgen einen starken Wachstumseinbruch. Das Land selbst ist absolut sehenswert und hat eine absolut niedrige Kriminalität, was eben durch die gesellschaftliche Mentalität bedingt ist. Grundlage für das positive Gesellschaftsklima sind der Buddismus, dem über 80 % der Bevölkerung angehören, vernünftige Staatslenker, kostenfreie Bildung und ein kostenfreies Krankenhaussystem. Auch die Infrastruktur mit Abwasserreinigung und Energiesicherheit durch Wasserkraft sowie dem Straßenbau sind in Bhutan im Gegensatz zu Nepal sehr gut entwickelt.
Fast alles dies fehlt in Nepal außer der Bescheidenheit wegen des starken Glaubens im vorherrschenden Hinduismus und dem enorm starken Zusammenhalt in den Familien.
Es gibt keine Schulpflicht, keinerlei soziale Sicherungssysteme oder Kostenfreiheit in den Krankenhäusern. Die Eltern müssen sogar noch die Lehrmittel zum Teil für ihre Schulkinder bezahlen. Die Verbindungsstraßen sind katastrophal. Aber es wird ein etwa 30 km langer Tunnel gerade nach Kathmandu gebaut. Da könnten wir uns in BRD für den Brennerbasistunnel eine Scheibe abschneiden. Der Wohnungsbau entwickelt sich in Nepal stark, aber sie haben für ihre etwa 33 Mill. Einwohner auch einen starken Nachholbedarf. Für das ganze Land und insbesondere für die 3 Mill. Einwohner Stadt Kathmandu gibt es keine Abwasserklärung. Die Flüsse sind enorm dreckig. In Deutschland reden die Klimaaktivisten immer vom schädlichen CO2 Ausstoß. Die Menschen in Nepal kämpfen genauso wie in Indien darum, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Natürlich könnte einiges, wie z. B. auch das Mühlproblem, besser sein. Wenn man mit Bürgern spricht, schütteln sie nur den Kopf, was für Deutschland wichtig ist.
Im Grunde genommen kann man es in zwei kurzen Sätzen zusammen fassen. In Nepal leben die Menschen, um zu arbeiten. In Deutschland arbeiten die Menschen, um zu leben! Ein Riesenproblem in Nepal ist auch die politische Instabilität seit die Demokratie eingeführt worden ist. Es gibt nur eine konservative Partei, eine sozialdemokratische Partei und drei verschiedene kommunistische Parteien. Letztere wollen für die Menschen da sein, versinken aber auch in der Korruption. Auch gibt es in der kommunistischen Grundeinstellung die Umverteilung des Vermögens für das Volk. Bloß in Nepal gibt es nichts zu verteilen. Somit können sie gar nicht dem kommunistischen Grundgedanken gerecht werden. Bin gespannt, wie die aktuell am 20.11.22 statt gefundene Parlamentswahl ausgeht, wo noch bis 1.12.22 ausgezählt wird.
Wenn man in diesen beiden Ländern mit den Bürgern spricht, sieht man schnell, auf was es wirklich im Leben ankommt. Wir beschäftigen uns in Deutschland mit Luxusproblemen, wie Gendern, und in vielen Staaten, wie Nepal, braucht es noch Jahrzehnte bis der Wohlstand einigermaßen viele Bürger erfaßt. Aber auch dann wird sich in Nepal die Gesellschaft nicht mit unseren Debatten von heute beschäftigen. Die Menschen in Nepal sind auch sehr freundlich, vor allem auf dem Lande. Und das Land bietet eine Menge für die Touristen. Vor allem kann man sich dort eine andere Lebenseinstellung wieder ins Bewusstsein rufen. Reisen bildet eben auch dahingehend, dass man seinen Horizont erweitert.
Für meine Fachexkursionen fließen keinerlei öffentliche Gelder, wie für die vielen Ausschussbildungsreisen des Landtages mit oft zweifelhaftem Nutzen!
Viele Grüße

Franz Bergmüller