Kommunalwahl in Niedersachsen: AfD erhält mehr Sitze in Kommunalparlamenten, als sie besetzen kann

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HANNOVER – Im Westen was Neues: AfD breitet sich erfolgreich in den Kommunen Niedersachsens aus.

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Die SPD ist schon auf dem Boden ihrer Stammwähler angekommen und die Union folgt ihr nun dabei. Die Kommunalwahl in Niedersachsen 2026 bestätigt einen bundesweiten Trend:

Die AfD etabliert sich nicht mehr nur in den ostdeutschen Bundesländern, sondern zunehmend auch in strukturschwachen westdeutschen Regionen als relevante politische Kraft. Die Industriestadt Salzgitter ist bei dieser Wahl das deutlichste Beispiel einer neuen AfD-Hochburg im Westen.

Gleichzeitig verzeichnen die beiden bisherigen Volksparteien CDU und SPD historische Verluste, ohne dass die Wahl ihre grundsätzliche Führungsrolle auf Landesebene bislang beseitigt hätte. Die gestiegene Wahlbeteiligung belegt, dass die Bürger das auch genau so wollen.

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Rahmendaten der Wahl

Am 13. September 2026 fanden in Niedersachsen die Kommunalwahlen statt. Rund 6,3 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, ihre Vertretungen in Kreistagen, Stadträten, Gemeinderäten sowie zahlreiche Bürgermeister- und Landratsämter neu zu besetzen. Die Wahlbeteiligung stieg hierbei deutlich von 57,0 Prozent (2021) auf 64,6 Prozent. Dieser Anstieg belegt: Die AfD schafft es, bisher unbekannte Wählerpotentiale in der BEvölkerung zu heben.

Das vorläufige amtliche Ergebnis auf Kreisebene stellt sich wie folgt dar: die AfD verdreifacht sich und saugt ziemlich genau den Anteil an Stimmen ab, den die beiden Regierungsparteien aus Berlin verloren haben:

Partei Ergebnis 2026 Veränderung ggü. 2021
CDU 27,2 % −4,5 Punkte
SPD 24,6 % −5,4 Punkte
AfD 15,9 % +11,3 Punkte
Grüne 14,1 % −1,8 Punkte
Linke 6,0 % +3,2 Punkte
FDP 3,7 % −2,8 Punkte

Die CDU bleibt zwar landesweit stärkste Kraft vor der SPD, die AfD hat sich jedoch auf einen soliden dritten Platz vorgearbeitet und ihr Ergebnis gegenüber 2021 nahezu verdreifacht. Sowohl CDU als auch SPD verzeichnen historisch hohe Verluste, während AfD und Linke die größten Zugewinne aller Parteien erzielen.

Die AfD als politischer Gewinner des Wahlabends

Der mit Abstand markanteste Befund dieser Kommunalwahl ist der massive Stimmenzuwachs der AfD im Flächenland Niedersachsen – bislang eher als westdeutsche Region mit vergleichsweise moderaten AfD-Ergebnissen bekannt. Kommentatoren ordnen den Erfolg explizit in eine bundesweite Entwicklung ein: Nach dem historischen Erfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeigt sich nun, dass der Aufwärtstrend der Partei kein rein ostdeutsches Phänomen mehr ist, sondern sich auch in der westdeutschen Kommunalpolitik niederschlägt.

Salzgitter als neue AfD-Hochburg

Besondere bundesweite Aufmerksamkeit erhielt die Stadt Salzgitter. Dort erreichte die AfD nach vorläufigem Ergebnis 27,4 Prozent der Stimmen und ließ damit die SPD (25,8 %) hinter sich. Die AfD stellt mit 13 Sitzen die größte Fraktion im dortigen Stadtrat. Auch bei der Oberbürgermeisterwahl sorgte die AfD-Kandidatin Patricia Mair für Aufsehen: Sie erreichte mit rund 25,7 Prozent der Stimmen die Stichwahl gegen den amtierenden Oberbürgermeister. Salzgitter gilt damit nach übereinstimmender Einschätzung mehrerer Medien als die derzeitige AfD-Hochburg Niedersachsens und als Beleg dafür, dass die Partei auch in industriell geprägten westdeutschen Mittelstädten mehrheitsfähige Stärke entwickeln kann.

Strukturelle Beobachtung zur AfD

Auffällig ist zudem eine Randnotiz mehrerer Berichte: Trotz der massiven Stimmengewinne konnte die AfD in erheblichem Umfang gewonnene Mandate nicht besetzen – Berichten zufolge blieben rund 235 AfD-Mandate landesweit unbesetzt. Dies wird in der Berichterstattung überwiegend auf einen Mangel an ausreichend vielen Kandidaten in der Fläche zurückgeführt und zeigt, dass der Organisationsgrad der Partei auf kommunaler Ebene bislang nicht in jeder Region mit ihrem Wahlerfolg Schritt hält.

CDU: Stärkste Kraft, aber mit deutlichen Verlusten

Die CDU verteidigt mit 27,2 Prozent auf Kreisebene ihren Platz als stärkste Partei in Niedersachsen, verzeichnet dabei jedoch einen Rückgang von 4,5 Prozentpunkten gegenüber 2021. Landesparteichef Sebastian Lechner bewertete das Ergebnis öffentlich als „Dämpfer, aber kein Absturz“ und verwies zugleich auf die Verantwortung der Bundespolitik – ein Hinweis auf die angespannte Stimmungslage rund um die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz, die den Wahlkampf überschattete.

SPD: „Schwieriges Ergebnis“ trotz Regierungsverantwortung

Mit 24,6 Prozent (−5,4 Punkte) verzeichnet die SPD den größten absoluten Rückgang aller etablierten Parteien und verpasst es, sich als Regierungspartei in einer für sie eigentlich vorteilhaften Ausgangslage zu behaupten. Der SPD-Landesvorsitzende und niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies bezeichnete das Abschneiden seiner Partei selbst öffentlich als „schwieriges Ergebnis“ und räumte ein: „Da haben wir uns alle mehr erhofft.“ Zugleich verwies er auf punktuelle Erfolge einzelner SPD-Kandidaten in bestimmten Städten, ohne dass sich diese Städte aus den verfügbaren Quellen konkret benennen ließen.

Einzelfälle mit besonderer Signalwirkung

Neben Salzgitter sorgte auch Wilhelmshaven für ein bemerkenswertes Ergebnis: Dort setzte sich bei der Oberbürgermeisterwahl die parteilose Kandidatin Eva Maria Haarmann mit über 55 Prozent der Stimmen bereits im ersten Wahlgang durch und wird damit die erste Oberbürgermeisterin der Stadt. Ihre Konkurrenten aus dem etablierten Parteienspektrum blieben jeweils unter zehn Prozent – ein weiteres Indiz für die Erosion klassischer Parteibindungen auf kommunaler Ebene, wenn auch in diesem Fall nicht zugunsten der AfD, sondern zugunsten einer unabhängigen Kandidatur.