WASHINTON/MOSKAU/BERLIN – Der Präsident der Ukraine beendet die Durchleitung russischen Gases durch die Ukraine in Richtung EU, wodurch die Ukraine ca. 800 Millionen Euro an Durchleitungsgebühren pro Jahr verliert und zeitgleich verhandeln die USA mit Russland über den Kauf der teilweise gesprengten Nordstream-Pipeline.
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Die 1230 Kilometer lange Nordstream-Pipeline verbindet die riesigen Gasfelder Russlands mit Europa. Ihr zweiter Teil wurde noch vor der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 fertiggestellt aber nie kommerziell in Betrieb genommen. Sie gehört einer Tochtergesellschaft des staatlichen russischen Gasriesen Gazprom, der wenige Tage nach der Invasion in der Schweiz Insolvenz anmeldete. Im September 2022 zerstörten dann Unterwasserexplosionen einen der beiden Hauptstränge der Pipeline. Der andere Hauptstrang ist intakt, wird aber freiwillig vom Westen nicht mehr genutzt. Dies könnte sich nun ändern und die Umstände sind höchst bizarr:
Bereits am 21ten November 2024 meldete das Wall Street Journal, daß der Der US-Investor Stephen P. Lynch, an der vermutlich unter US-Beteiligung gesprengten Nordstream-Leitung Interesse habe:
Seither verstummen die Gerückte nicht, daß nach Donald Trumps Wahlsieg in den USA Emissäre aus den USA und Deutschland Kontakte zwischen Russland und den USA knüpfen. Seit der Amtseinführung von Donald Trump im Februar wurden diese Vorhaben weiter vorangetrieben. Sogar die offiziellen Unterlagen des Insolvenzverfahrens der Nord Stream 2 AG in der Schweiz weisen auf derartige Verhandlungen hin. Eine zentrale Rolle spielt hierbei der ehemalige Stasi-Mann und Geschäftsführer von Nordstream, Matthias Warnig:
Sogar die Bild-Zeitung berichtete für diese Gerüchte. Demnach sei auch der ehemalige US-Botschafter Richard Grenell in Verhandlungen eingebunden, was dieser jedoch später bestritt.
Bei den aktuellen Verhandlungen geht es offenbar darum, unter welchen Bedingungen in Zukunft wieder Öl und Gas nach Deutschland und Europa fließen könnten. Aktuell deuten Indizien darauf hin, daß die USA diese Pipeline als „Sicherheitsgarantie“ für Selenski betreiben wollen und damit selbst den Zustrom an Energie von Russland in die EU kontrollieren wollen. Dies würde in die neue US-Außenpolitik passen. Jedenfalls gibt es offenbar aktuell bereits Verhandlungen über die Zukunft der Nordstream-Leitungen und über den Besitz des russischen Mineralölkonzerns Rosneft in Deutschland. Rosnefts deutsche Tochter hält rund 54 Prozent der Anteile an der Raffinerie in Schwedt und kleinere Anteile an den süddeutschen Raffinerien Bayernoil und Miro.
Nachtrag: Am 23.3. erklärte der neue Energie-Minister der USA, daß die USA die größten Produzenten und Exporteure von Energie sind. Alleine der Export von LNG sei in den letzten 15 Jahren dramatisch angestiegen. Wir fragen uns dazu: Energie-Verträge werden mit Laufzeiten von Jahrzehnten geschlossen. So „erstaunt“ es uns, daß mit dem Argument des Ukraine-Kriegs die EU Russland als ihren Energie-Lieferanten fallen ließ und Verträge kündigte und „freiwillig“ das viel teurere US-Gas bezog, für das es zuvor in der EU keinem Markt gab. Ein Schlem wer Böses dabei denkt!
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Die USA haben nur Interesse an Nordstream, wenn sie davon selbst profitieren
Bereits im Jahr 1968 kamen die ersten sowjetischen Gaslieferungen nach Westeuropa, denn die wachsende Industrie brauchte billige Energie 7und die UDSSR brauchte Geld. So kam es, daß das Außenhandelsministerium der UdSSR und die österreichische OMV einen Vertrag unterzeichnet haben, den die OMV mit Gazprom 56 Jahre später gekündigt hat, denn sie wollte nicht von russischen Rohstoffen abhängig sein.
Diese Kündigung wurde zum 1.1.2025 wirksam. Als Argument wurde der Einmarsch in die Ukraine herangezogen. Formal haben die Österreicher das russische Gas abgelehnt, aber sie bekommen es weiterhin, nur eben teurer. Journalisten haben recherchiert, daß das Gas für Österreich seither über Zwischenhändler in der Slowakei eingekauft wird. Das bedeutet, dass auch Österreich zu den Opfern der Unterbrechung des ukrainischen Transits ab 1. Januar gehört.
Hinzu kommt, daß auch Selenski seit dem 1.1.2025 kein Gas mehr durch die Ukraine in Richtung EU durchlässt. Kiew stellte am 31. Januar den Transit von russischem Gas nach Europa ein, was den Markt für Gas aus den USA vergrößern wird. Der Leser möge sich selbst überlegen, ob es hierzu ggf. einen Auftrag aus den USA an Selenski gegeben haben könnte?
Der Bau der Nordstream-Leitungen lag von Anbeginn an nicht im Interesse der USA und der US-Erdölindustrie. Zu diesem Zweck hatten die USA gegen den Widerstand Deutschlands sogar Sanktionen gegen die am Bau beteiligten Firmen erlassen. Das dürfte sich ab dem Zeitpunikt geändert haben, als die USA selbst von Nordstream profitieren könnten:
US-Sanktionen gegen Nordstream
US-Präsident Donald Trump unterzeichnete kurz vor Ende seiner Amtszeit ein Gesetzespaket zum Verteidigungshaushalt, das auch Maßnahmen bezüglich Nordstream 2 enthielt. Das nennt sich „Gesetz zum Schutz von Europas Energiesicherheit“. Dieser lautet:
Auch Trumps Nachfolger, Joe Biden änderte diese Position nicht. Bidens Administration kündigte mehr oder weniger an, was dann im September 2022 zur Realität werden wird: Ende Januar – knapp einen Monat vor der völkerrechtswidrigen Invasion Russlands in der Ukraine – erklärte Victoria Nuland, die Staatssekretärin im Außenministerium für politische Angelegenheiten, gegenüber Journalisten:
verkündete Biden dann bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am 7. Februar 2022, bei der Bundeskanzler Olaf Scholz bei dessen Antrittsbesuch in den USA wie ein Schuljunge neben ihm stand. Biden gab auch zu erkennen, daß die Vereinigten Staaten diese Maßnahmen aus eigener Kraft umsetzen könnten.
bestätigte Scholz und gab damit indirekt wohl auch irgendwie grünes Licht für die Zerstörung von Nordstream, denn Widerstand sieht anders aus! In einer Pressekonferenz nur wenige Tage nach der Explosion beschrieb US-Außenminister Antony Blinken die Sabotage dreimal als
Solche Bemerkungen sind aber nicht auf US-Vertreter beschränkt: Unmittelbar nach dem Vorfall dankte der ehemalige polnische Außenminister und der damalige Vorsitzende der Delegation des Europäischen Parlaments für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten, Radek Sikorski, mit dem Tweet:
den USA auf Twitter ausdrücklich für die Sprengung der Pipelines. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, John Kirby, wies derartige Hinweise erwartungsgemäß zurück:
Eine informative Zusammenfassung findet sich auch hier:
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Den Preis bezahlte die deutsche Bevölkerung
Diese „Kosten“ sind jedoch nicht für Russland sehr hoch geworden, sondern für Europa, vornehmlich für Deutschland in Form von höheren Energiepreisen und damit höheren Preisen für Güter in allen Lebensbereichen. Die angegebenen Inflationsraten von circa 7 Prozent in den beiden Jahren 2022 und 2023 sprechen Bände. Die tatsächliche Inflationsrate dürfte noch wesentlich höher gewesen sein.
Aus Deutschland kein Interesse an einer Reparatur
Ohne kostengünstiges, russisches Gas hat die deutsche Industrie ernsthafte Probleme. Folgende Aussage machte im Bundestag der Abgeordnete Steffen Kotré, der die Wiederherstellung der Nordstream-Pipelines forderte.
Aus den USA Interesse an einer Reparatur und Übernahme
Warum – angeblich – kein deutscher Käufer Interesse an Nordstream hat, wissen wir nicht. Aber es gibt einen US-Amerikaner, der Interesse für die gesprengte Leitung zeigt. Sein Name ist Stephen P. Lynch und er hat sich nach einem Russlandaufenthalt darauf spezialisiert, unterbewertete Geschäfte aufzukaufen, um sie dann teurer wieder zu verkaufen. Es wäre ein typischer Lynch-Deal:
Schauen wir also mal, ob sich da „Zufälle“ entwickeln, daß der Präsident des Landes, das – vielleicht – die 11 Milliarden teure Gasleitung gesprengt haben könnte, sich bei den Friedensverhandlungen mit Russland dafür einsetzt, daß ein Finanzier seiner Kampagne den Zuschlag für diese Leitung bekommen könnte? Dieser meint jedenfalls:
Lynch hat auch mit US-Senatoren, Beamten des Finanzministeriums und der Bundesstaaten die Möglichkeit erörtert, dass die Pipeline in amerikanischem Besitz kommt:
Laut journalistischen Recherchen soll der ehemalige Geschäftsführer von Nordstream, der Stasi-Mann Matthias Warnig spielen. Warnig gehört auch zum persönlichen Umfeld der Familie Putin, wie z.B. die Financial Times Anfang schrieb.
Zum aktuellen Stand haben Journalisten recherchiert:
Nachtrag vom 26.3.: die CDU bereitet die Bevölkerung vor
Seit der Sprengung fordert die AfD die Widerinbetriebnahme der Nordstream-Leitung und wird hierfür von allen anderen Parteien diffamieret. Nun dringt aus den Koalitionsverhandlungen durch, daß die zukünftige Regierung den USA beim Geldverdienen mit Hilfe der Nordstream-Leitung offenbar nicht im Weg stehen möchte: